„Intifada“ – kein Protest, sondern Antisemitismus!
Parolen wie „Yallah, Yallah Intifada“ oder „Globalizie the Intifada“ sind in den letzten Jahren vermehrt auf Demonstrationen im Kontext des Nahostkonflikts zu hören. Auf den ersten Blick mag der Ausruf für manche wie ein Ausdruck von Solidarität mit Palästinensern wirken. Eine genauere historische und politische Betrachtung zeigt jedoch, dass dieser Slogan hochproblematisch ist und antisemitische Inhalte transportiert.
Der Begriff „Intifada“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich „Abschütteln“ oder „Aufstand“. Historisch bezeichnet er jedoch konkret zwei palästinensische Aufstandsbewegungen gegen Israel: die Erste Intifada (1987–1993) und die Zweite Intifada (2000–2005). Während die Erste Intifada teilweise von zivilen Protestformen geprägt war, ist insbesondere die Zweite Intifada untrennbar mit massiver Gewalt gegen israelische Zivilisten verbunden. In diesem Zeitraum verübten palästinensische Terrororganisationen zahlreiche Selbstmordanschläge, Schuss- und Messerattacken in Bussen, Restaurants, Diskotheken und auf offener Straße. Hunderte israelische Zivilist:innen – Männer, Frauen und Kinder – wurden ermordet.[1]
Wer heute zur „Intifada“ aufruft, ruft damit nicht zu abstraktem Widerstand auf, sondern bezieht sich auf eine historische Praxis, die systematisch Gewalt gegen Jüden:innen und Juden legitimierte und verherrlichte. Der Bezug auf „Intifada“ ist deshalb kein neutraler politischer Ausdruck, sondern ein direkter Aufruf zur Wiederholung dieser Gewalt. Dass dabei nicht zwischen israelischem Staat, Regierung oder einzelnen Menschen unterschieden wird, verstärkt den antisemitischen Charakter: Juden werden kollektiv als legitimes Ziel markiert. Die Forderung die „Intifada“ zu globalisieren, also sie überall auf der Welt durchzuführen, ist schließlich eine direkte Drohung gegen jüdisches Leben weltweit.
Jüdische Menschen leben außerhalb des jüdischen Staates überall als Minderheit, die keinerlei Verantwortung für die Politik Israels tragen. Für viele von ihnen ist „Intifada“ kein theoretischer Begriff, sondern ein Synonym für Angst, Terror und Mord. Der Ruf erzeugt daher Einschüchterung und vermittelt die Drohung, dass Gewalt gegen Juden erneut legitim sei – auch außerhalb Israels.
Antisemitisch ist der Slogan zudem, weil er klassische Muster der Entmenschlichung und Delegitimierung aufgreift. Die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) beschreibt Antisemitismus unter anderem als das Befürworter:innen, Rechtfertigen oder Verherrlichen von Gewalt. Genau dies geschieht, wenn die Intifada – eine Phase gezielter Angriffe auf jüdische Zivilisten – positiv besetzt und als erstrebenswert dargestellt wird.[2] Der Slogan ruft nicht zu Frieden, Koexistenz oder politischer Lösung auf, sondern zu Eskalation und Konfrontation. Dadurch wird nicht nur Antisemitismus normalisiert, sondern auch jede ernsthafte Friedensperspektive untergraben.
[1] https://www.bpb.de/themen/naher-mittlerer-osten/israel/45077/die-zweite-intifada-und-der-bau-der-barriere/, zuletzt aufgerufen: 27.01.2026.
[2] Vgl. https://holocaustremembrance.com/resources/arbeitsdefinition-antisemitismus, zuletzt aufgerufen: 27.01.2026.